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BeitragVerfasst: Sa 14. Nov 2009, 23:05:51 
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Cirrocumulus
Cirrocumulus
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Registriert: Mo 4. Mai 2009, 16:08:59
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Servus
Hier wie versprochen der erste "Wetterwissenthread" meinserseits
In diesem Thread möchte ich einmal die Grundlagen zur Synoptik einer Zyklogenese erklären.


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Schauen wir uns zunächst einmal Die Karte mit Geopotential , Topografie in 500hpa und Bodendruck an.
Hierbei fällt uns ein Höhentiefdrucksystem über dem Nordatlantik mit 2 Tiefdruckgebieten auf.
Über weiten Teilen des Mittelmeer herrscht Hochdruckeinfluss.
Das sorgt für eine zonale Wetterlage mit einer West - Südwestliche Strömung über Mitteleuropa.
Unser Hauptaugenmerk sollte jedoch auf dem Langwellentrog auf dem Atlantik liegen , der bereits stark mäandiert und zusammen mit dem Höhenkeil von Neufundland bis Grönland für Wellenbildung sorgt.
Typischerweise wird es für Tröge schwerer weit nach Süden vorzudringen , da hier oft sehr hohes Geopotential herrscht. Dabei verstärkt sich der Gradient der Isophysen meist.
Auch hier der Fall.
Daraus kann man schließen , dass der Jet hier sehr stark weht.
Zusätzlich ist vor dem Kurzwellentrog eine zyklonale Krümmung der Isobaren ( Luftdruck ) zu erkennen.
Dadurch entsteht ein unterdruck in diesem Gebiet. Ausgleichswinde aus der Umgebung sorgen dabei durch das Zusammenströmen für eine Konvergenz. Hier herrscht starke Hebung.
Ein weiteres Höhentiefsystem findet sich über der Ukraine am Schwarzen Meer.

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In der Theta-E Werte Karte kann man nun deutlich die Fronten der Welle erkennen.
Die Höhenzirkulation findet hier bereits statt , während die Bodenzirkulation noch nicht stattfindet.
Typisch bei einer Zyklogenese wie dieser , die aus dem warmen Förderband heraus entsteht. ( WCB-Zyklogenese )
Durch den ausgeprägten Langwellentrog werden auch nach Spanien feucht-warme Luftmassen advehiert. Hier finden sich weitere schwache Wellen. Diese gut durchmischte Luftmasse ist potentiell sehr energiereich und kann viel Feuchte aufnehmen.
Die Frontensysteme über dem Atlantik sind bereits vollständig okkludiert.
Vor Portugal befindet sich ein schwaches Tief. Dieses Tief entstand am rechten Jetauszug und deshalb vorrangig aus dem kalten Förderband (CCB) heraus
Deswegen ist hier die Bodenzirkulation stärker ausgebildet , als die Höhenzirkulation.
Allerdings befindet es sich am relativ ungünstigen rechten Jetausgang. Hier findet sich keine Divergenz , die für genug Scherungsvorticity sorgt. Somit ist das Tief von Krümmungsvorticity abhängig , die hier ebenfalls kaum vorhanden ist. Eine sehr schwache Kurzwelle befindet sich unmittelbar hinter dem Bodentief.
Unmittelbar vor dem Tiefkern befindet sich eine starke Frontalzone. Das FQn-Forcing ist hier deutlich erhöht. Das komt vorallem der ausgeprägten Warmfront zugute , die im Zusammenhang mit der Warmluftadvektion und dem somit recht starken Theta-E Gradienten sehr hohe Niederschlagsmengen über 25mm in 6 stunden produzieren kann. In der Warmfront eigelagert sind einige kaltaktive Anteile.
Diese bilden mit dem schwachen Bodentief eine Frontalwelle.
Doch zurück zu dem Sturmtief.

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Auf der Karte mit dem Upper Level Jet in 300hpa habe ich die Zone makiert , wo sich der Kern befindet.
Das Tief befindet sich fast genau auf dem Jet-Streak , wo es zu wenig Scherungsvorticity kommt. Die Divergenz ist schwach ausgeprägt.
Das deutet eher auf eine schwache Vertiefung.

Bild
In der nächsten Karte zu sehen.
Das Tief hat sich kaum vertieft.In den vergangenen 6 stunden nur um 4hpa.
Allerdings findet nun die Bodenzirkulation statt. Das Tief ist nun erstmals zu erkennen.
Nun hat sich der typisch für Zyklonen rückseitige Trog entwickelt. Dieser ist ebenfalls noch schwach ausgeprägt. Sorgt jedoch schon für ein Vortmax in Tiefkernumgebung.
Hier ist nun starke Hebung vorhanden , was stärkeren Niederschlag zur Folge hat. Auch thermische Hebung setzt nun verstärkt durch feuchteadvektion in den unteren Schichten ein.
Ebenfalls zu erkennen ist ein "Thermischer Wellenberg" der Topografie. Dieser zeigt , dass hier starke Schichtdickenadvektion im Warmsektor stattfindet.
Dies ist wichtig für die Zyklogenese und sorgt für Vertikalbewegungen im Warmsektor und somit für Regen. Mit dem Trog folgt das typische Wellental. Hier findet großflächiges Absinken der Luftmassen statt.

Bild
Auf der Höhenjetkarte hat sich die Divergenz nun verstärkt , allerdings liegt der Tiefkern immernoch auf der Jetachse.
Das deutet auf weiterhin eher moderate Vertiefung. Durch die Divergenz verstärkt sich die Scherungsvorticity jedoch etwas. Der Kurzwellentrog hinter dem Tief sorgt für Krümmungsvorticity.
Allgemein nun etwas bessere Vorraussetzungen für die Vertiefung.

Bild
6 Stunden später liegt der Kerndruck bei 992hpa. Der Kurzwellentrog ist nun recht gut ausgeprägt.
Das Wellental ist nun deutlich zu erkennen. Nun setzt langsam das Reifestadium der Zyklone ein. Das kalte Förderband hat nun Einfluss auf die Zyklone und bildet durch NVA , Kaltluftadvektion und negativer Schichtdickenadvektion den Dryslot rückseitig der Kaltfront.
Dabei bildet das Tief südlich vom Kern mit einem recht starken Druckgradienten bereits ein schwaches Sturmfeld aus. Dabei erreicht der Low-Level Jet um 50 Knoten.
Dieses Sturmfeld befindet sich genau in Kaltfronthöhe. Dank recht starker Warmluftadvektion in Grenzschichthöhe kommt es mit der Dry-Intrusion zu einem trockenen Oberstrom , der für Labilität sorgt.
Somit ist mit Kaltfrontdurchgang bereits mit Konvektion zu rechnen. In Schauern kann der 850hpa Wind zum Boden heruntergeweht werden.
Etwas Einstrahlung sorgt auf der warmen Wasseroberfläche zusätzlich für bodennahes Cape ( Surface-Based Cape - SBCape )

Bild
um 0UTC beträgt der Kerndruck 989hpa
Das Tief fängt langsam an zu Okkludieren. Das Reifestadium ist hiermit erreicht. ( Die Okklusionsfront ist aus Platzgründen etwas zu weit östlich )
Die Okklusionsfront wickelt sich langsam um den Tiefkern, Somit wird der Cloud-Head nördlich der Zyklone ausgebildet , der rückseitig des Dry-Slot liegt und meist konvektiv durchsetzt ist.
In diesem Fall vollständig konvektiv.
Das gibt dem Tief die typische Form. Durch die Korioliskraft dreht es sich immermehr ein.
Das Sturmtief bildet nun von Irland bis zu den Färöer-Inseln nun eine Tiefdruckrinne mit gleichem Luftdruck.
Die Okklusionfront verläuft nun durchgehend bis zum okkludierten Tief östlich von Island.
Über der Ostsee bildet sich ein schwaches Randtief mit einer schwachen Okklusionsfront über Deutschland.
Das Tief entsteht über schwach geschertem Gebiet und schafft es nicht bis zur Frontenbildung. Da das warme Förderband hier keine Energie liefert wird es nicht zirkulieren.

Bild
Um 06UTC befindet sich das Tief am linken Jetauszug und profetiert dadurch von starker Scherungsvorticity.
Die Okklusionsfront bildet nun ein deutlichen Cloud-Head aus. Derweil entfernt sich der Okklusionspunkt bereits vom Tiefkern und die Advektion warm-feuchter Luftmassen lässt langsam nach.
Die Kaltfront wurde durch den starken Jet , der paralel zur Front steht schnell vom Tiefkern weggedrückt und hat sich bereits weit entfernt.
Dennoch ist mit starken Böen zu rechnen , da das Sturmfeld anders als bei den meisten zyklonen nicht im Warmsektor sondern im Kaltsektor liegt.
Hier kommt es bereits zu Labilität ,da Höhenkaltluft einfließt.Im gleichen Gebiet befindet sich auch der immermehr in die Horizontale wandernde Kurzwellentrog.
Somit ist hier mit Schauern und Gewittern zu rechnen , die einzelne Sturmböen bringen können.
Das Reifestadium der Zyklone ist hiermit abgeschlossen und es wird nun mehr und mehr okkludieren.
Bild
Der Kurzwellentrog hat das Tief bereits überrannt. Das stoppt die Vertiefung.

Das wars auch schon wieder ;)


Zuletzt geändert von Stormchaser Nds am So 15. Nov 2009, 01:48:40, insgesamt 3-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Sa 14. Nov 2009, 23:05:51 


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BeitragVerfasst: Sa 14. Nov 2009, 23:31:00 
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Registriert: So 7. Sep 2008, 16:46:18
Beiträge: 7219
Wohnort: Dortmund-West 72m ü NN
Hi Marcel,

das ist ja wieder eine hervorragende analyse zu der Zyklonalen Lage von Gestern und heute.
Man lernt immer wieder was dazu,wenn man deine sehr wissenswerten Analysen(Outlooks) liest. :)

_________________
Gruß aus Dortmund.

Wetterbeobachtung mit Vantage Pro 2 seit Oktober 2008


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