Registriert: Do 4. Sep 2008, 00:13:19 Beiträge: 14067 Wohnort: Kirchheim bei München (520 m ü. d. M.)
Servus zusammen,
in diesem Thread wird nun von Zeit zu Zeit über historische Wetterereignisse informiert. Ich fange damit an, aber es dürfen auch alle anderen mitmachen. Ich fange mal an mit dem Winter 1783/84.
Dieser Winter war in ganz Mitteleuropa besonders kalt. Ab Dezember 1783 begann eine besonders strenge Frostperiode, mit Temperaturen bis -30 °C. Die Phase des strengen Frostes dauerte 13 Wochen, auch wenn es dann ab Februar auch mal Frostpausen gab. Die Flüsse in Deutschland froren zu. Zudem gab es auch noch viel Schnee, d. h. es sind wohl immer wieder Ostwetterlagen gewesen, bei denen feuchte Luft vom Mittelmeer nach Norden strömte und mit der Eisluft aus Osten oder Nordosten zusammen traf. Die Schneemengen waren ungewöhnlich groß, verbreitet lagen 1,50 m und mehr Schnee, in Würzburg zum Beispiel sogar 1,80 m. Man stelle sich mal vor, das würde heute passieren. Im Februar gab es immer wieder kurze Tauperioden, aber dann wieder strengen Frost. Ab dem 23. Februar 1784 wurde es plötzlich wesentlich wärmer und es gab starkes Tauwetter. Die Eismassen auf den Flüssen brachen auf, stauten sich aber vor Hindernissen wie Brücken immer wieder; die Wasserstände erreichten enorme Höhen, in Köln erreichte der Rhein einen Pegel 13,55 m. Durch den starken Eisgang waren die Hochwasser noch schlimmer, viele Brücken aber auch Gebäude entlang der Flüsse wurden einfach weg geschoben. Schlimmere Hochwasser hat es in Mitteleuropa nur 1501 und 1342 gegeben. Die Aufräumarbeiten waren schwierig und dauerten lang.
Registriert: Sa 6. Sep 2008, 19:38:22 Beiträge: 3188 Wohnort: Rödermark (Rhein-Main-Gebiet) 159m ü. NN
Dieses Jahr ist es nun 30 Jahre her, als im August 1981 das schlimmste Hochwasser im Kreis Offenbach herrschte:
Damals gab es bis zu 180 mm in 24 Stunden, was zu einem starken Anstieg der Bäche führte. Im gesamten Kreis Offenbach wurde der Katastrophenalarm ausgelöst. Auch die Rodau trat über die Ufer und überschwemmte die tiefer liegenden Urberacher Ortsteile "Jochert, Bruch und Seewald".
Ein Erfahrungsbericht den ich vor einigen Jahren mal im Internet gefunden habe:
Der Jahrhundertregen im Rhein-Main-Gebiet im August 1981 Am 9. und 10. August wurde das Rhein-Main-Gebiet von den schwersten Regenfällen in diesem Jahrhundert heimgesucht. Annähernde vergleichbare Verhältnisse gab es am 15./ 16. August 1922. Aus meinen Erinnerungen von damals (wohnhaft in Neu-Isenburg-Gravenbruch) stellte sich ganze wie folgt dar: Am Sonntag den 9. August war es den ganzen Tag über stark bewölkt bis bedeckt und es nieselte vereinzelt. Die Nacht zuvor hatte verbreitet Gewitterschauer gebracht. Die Luftfeuchtigkeit war entsprechend hoch. Die Temperatur betrug etwa 20 Grad, so daß es unangenehm schwül war. Gegen 20 Uhr setzte dann unverhofft und abrupt der Dauerregen ein, der ohne größere Unterbrechungen bis zum Mittag des 11. andauerte. Die Intensität des Regens nahm in Verlauf des 10. langsam aber stetig ab. Dabei gab es verbreitet Rekordnieder-schlagsmengen von 100 – 200 mm. Wenn man bedenkt, daß der Regen am 9. meist erst nach 20 Uhr MESZ einsetzte und ein Großteil der Mengen bis zum 20-Uhr-Termin des Folgetages gefallen war, kann man diese auch als 24-stündige (Meßtermin übergreifende) Niederschlagsmengen verstehen. In Neu-Isenburg wurden beispielsweise vom 9.8 20 Uhr – 10.8 8 Uhr 116 mm gemessen, bis 14 Uhr kamen nochmals 44 mm dazu. 160 mm in 18 Stunden !!!! Dies entspricht einer Intensität von annähernd 10 mm/h. Weitere 16 mm fielen dort noch bis zum Morgen des 11. Allgemein fällt auf, dass die Gebiete im Taunus und am Untermain die größeren Mengen bis zum 8-Uhr Termin des 10. hatten, während im Spessart und im Main-Kinzig-Kreis erst nach 8 Uhr die größeren Mengen auftraten. Dies ist mit einer langsamen Westwärtsverlagerung des Starkregengebietes zu erklären. Die größten Hochwasserschäden gab es knapp südlich von Frankfurt. Am Frankfurter Flughafen drang das Wasser in diverse Tiefgaragen und in den S-Bahn Schacht. In Dreieich-Sprendlingen mußte der Katastrophenalarm ausgerufen werden. Dort hatte der Hengstbach den gesamten Altstadtkern überflutet. Im Offenbacher Stadtteil Bieber und in Dietzenbach war die Feuerwehr im Ausnahmezustand. (Siehe Zeitungsberichte). Die Bahnstrecke Fulda - Hanau war teilweise überschwemmt. Hunderte von Kellern und Tiefgaragen waren überflutet und mußten ausgepumpt werden. In dem ohnehin niederschlagsreichen Jahr konnte der völlig übersättigte Boden die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Besonders nach Süden hin war eine deutliche Abnahme der Regenmengen zu erkennen. In Darmstadt gab es 48-stündig "nur" noch 85 mm, in Mannheim gar nur 22 mm. Nach Norden hin war die Abnahme weniger deutlich. Insgesamt gab es neben Taunus und Spessart auch noch einen ausgeprägten Regenschwerpunkt in Thüringen. (siehe Übersichtskarte mit 48-stündigen Regenmengen von Deutschland). Die 13-Uhr-Karte der Berliner Wetterkarte vom 9.8. bzw. 10.8 zeigt die Wetterlage kurz vor bzw. während des Jahrhundertregens. Im hessischen Wetterbericht des 9. war nur von gewittrigen Schauern die Rede gewesen. Mit solch gewaltigen Flächenniederschlägen hatte niemand gerechnet. Bedingt durch diesen Jahrhundertregen konnte an einigen Stationen Südhessens zum Jahresende die 1000 mm Marke deutlich überschritten werden (z. B. Neu-Isenburg 1114 mm, Heusenstamm 1111mm und Langen 1097 mm). Der bisherige Jahrhundertrekord aus dem Jahre 1965 wurde teilweise überboten.
Hier noch einmal eine Übersicht mit Stationen die 48-stündig 150 mm und mehr hatten:
206 mm Rottenberg /Spessart 191 mm Feldberg/Taunus 180 mm Freigericht/Kinzig 180 mm Dreieich-Sprendlingen 176 mm Neu-Isenburg 171 mm Waldems/Taunus 169 mm Sulzbach/Taunus 168 mm Niedersteinbach/Taunus 160 mm Wehrheim /Taunus 155 mm Hofheim/Taunus 153 mm Frankfurt/Praunheim 151 mm Heusenstamm 151 mm Kronberg /Taunus 150 mm Alzenau 150 mm Okriftel
Hier ein paar Videos aus unserer Nachbarstadt Dreieich die ganz gut die damalige Hochwasserlage zeigen:
Gruß Leon
_________________ Gruß aus den Hessischen Tropen! Bananen? Palmen?... Brasilien? - Nein, Südhessen. Avatar: Hochwasser in Frankfurt am Main (Pegel 4,70m) Anfang Jaunar 2011
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